Lehrveranstaltungen Sommer 2009

Kommentare zur Vorlesung 'Minnesang' und zum Hauptseminar 'Hartmann von Aue als Erzähler'

Vorlesung 'Minnesang'


Bei der unvorbereiteten Lektüre von Texten des Minnesangs stellt sich leicht der Eindruck ein, dass das alles 'irgendwie gleich' klingt: Immer wieder klagt da einer, dass er von einer Dame nicht erhört wird. Was war daran so attraktiv, dass der Minnesang über mehr als anderthalb Jahrhunderte ein zentrales Element höfischer Kultur bleiben konnte? Welche soziale Funktion erfüllte er und wie funktionierte er als Teil höfischer Kommunikation? Die Forschung ist sich über diese (und andere) Fragen zum Minnesang alles andere als einig, und als Studierenden mag man etwas irritiert nicht nur vor der Menge der Primärtexte, sondern auch vor den divergierenden Meinungen der Forschung stehen. In dieser Situation soll die Vorlesung Orientierungslinien bieten: Mit Hilfe der Konzepte 'Gattung' und 'Entwicklung' soll exemplarisch vorgeführt werden, wie sich die Texte und Autoren des Minnesangs eben doch unterscheiden, wie sie sich in Prozesse und Diskurse einordnen lassen. Der Weg führt dabei vom frühen über den hohen Minnesang und Walther von der Vogelweide zu Neidhart und zum späten Minnesang (z. B. Gottfried von Neifen). Die leiten de Frage ist dabei jene nach dem 'Du', ohne das es Minne nicht geben kann. Was passiert, wenn es - aus welchen Gründen auch immer - abhanden kommt? - Neben diesen inhaltlichen Fragen wird auch die Vorstellung der Überlieferungsverhältnisse eine wesentliche Rolle spielen.

Literatur: Empfohlene Ausgabe: Des Minnesangs Frühling. [...] bearb. von Hugo Moser und Helmut Tervooren, Bd. I: Texte, 38. Aufl., Stuttgart 1988 (oder neuere Auflage). - Zur Einführung: Albrecht Hausmann (Hrsg.): Text und Handeln. Zum kommunikativen Ort von Minnesang und antiker Lyrik, Heidelberg 2004.

Hauptseminar 'Hartmann von Aue als Erzähler'

Wer erzählen will, muss sich fragen, wie Handlung zustande kommt. In einer Zeit, in der Geschichte als Heilsgeschichte gedacht ist, stellt sich bei jeder erzählten 'Geschichte' die Frage nach der Begründung von Handlung, mithin auch die Frage nach den Möglichkeiten von Fiktionalität und Autorschaft. In den Erzähltexten Hartmanns von Aue finden sich recht unterschiedliche Antworten auf diese Frage, und es wird im Seminar auch darum gehen, diese Unterschiede zu analysieren und zu interpretieren. Dabei sollen einerseits etablierte Interpretationsmuster ('Symbolstruktur des Artusromans' u. a.) überprüft werden, andererseits auch neuere Ansätze der Erzählforschung in die Arbeit mit den Texten einbezogen werden. Schließlich wird auch zu fragen sein, ob strukturalistische Zugriffe auf die Texte überhaupt angemessen sind, ob die Texte überhaupt 'Ganzheiten' im Sinne eines neuzeitlichen Textbegriffes sind, oder ob sie sich nicht eher einer kleinteiligen ('kulturwissenschaftlichen'?) Interpretationsweise öffnen. Von den Teilnehmern wird erwartet, dass sie die Erzähltexte Hartmanns ('Erec', 'Gregorius', 'Armer Heinrich', 'Iwein') bereits bei Veranstaltungsbeginn kennen. Als Textgrundlage dienen die kommentierten Taschenbuchausgaben aus dem 'Deutschen Klassiker Verlag'.

Literatur: Ausgaben: Hartmann von Aue: Erec. Hrsg. von Manfred Günter Scholz. Übers. von Susanne Held, Frankfurt am Main 2007 (Deutscher Klassiker Verlag im Taschenbuch, Bd. 20); Hartmann von Aue: Gregorius, Armer Heinrich, Iwein. Hrsg. von Volker Mertens, Frankfurt am Main 2008 (Deutscher Klassiker Verlag im Taschenbuch, Bd. 29) - Zur Vorbereitung: Christoph Cormeau/Wilhelm Störmer: Hartmann von Aue. Epoche - Werk - Wirkung. 2. überarb. Aufl. München 1993 (oder neuere Auflage).

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